Im Schwanen nichts Neues?

Kulturpartnerschaft und geflügelte Schuhe

Im vergangenen Juli traf sich im Schwanen eine Runde von Kulturaktiven (Lehrer mit Theater-AGs an den Salier- + Staufer-Realschulen und -Gymnasien, Comenius-Förderschule, Musikbeauftragter/Leitung Staatliches Schulamt Backnang, Regisseurin + Gesangscoach freie bühne stuttgart, Musiker und Open Stage Schwanen - Macher, Schwanen-Bühnentechnik und -Büro), die alle eines verbindet: Das Selber Tun in Sachen Kultur, die kulturelle Eigenleistung im Kulturhaus Schwanen.

Dass im Schwanen in den letzten 18 Jahren die Eigenproduktionen in den Bereichen Tanz, Theater, Musik stetig zugenommen haben, ist augenfällig. Ein Beispiel: Im Jahr 2001 gab es eine einzige Theaterproduktion, 2017 sechs, Tendenz steigend. Im Schnitt ist der Saal pro Theaterstück an 7 Tagen in Beschlag genommen. 4 Tage Endproben mit Bühne und Technik, 3 Tage Aufführungen. Drei Ensembles üben das ganze Jahr lang in den Kursräumen des Hauses. Doch das "dass" war gar nicht Thema, auch nicht die Quantität der jährlichen Theaterproduktionen. Es ging um die Bedingungen, unter denen diese stattfinden, nicht um Wegstationen, sondern um die Beschaffenheit des Weges selbst: Alles gut? Weiter so?

Ergebnis des Meetings war: Gut, aber es fehlt etwas. Nicht, weil nicht erfüllte "Ansprüche" da wären, sondern weil die Struktur dieser kleinen selbst produktiven Szene, ihre eigenen Implikationen, über sich hinausweisen.

Da ist als erstes das Nichtkennen untereinander. Wir im Schwanen kennen natürlich alle, die das Haus nutzen und mit uns zusammenarbeiten. Aber die Theatermacher vom Staufergymnasium wissen nichts vom Pendant im Saliergymnasium, nicht einmal die Salier (Gymnasium und Realschule) untereinander kennen ihre Theaterprojekte und -zeiten. Und genau so ist es zwischen den Sparten, also etwa Open Stage und Theaterensembles. In der Runde wurde das Naheliegende beschlossen: Es gibt ab jetzt eine Vernetzung untereinander. Einen für alle Beteiligten offenen E-Mailverteiler. Und eine Schwanen-Homepage-Sektion, die nur für diesen Kreis der "Kulturproduzenten" offen ist, wo langfristige Planung noch vor ihrer Fixierung einsehbar ist und so alle miteinander kommunizieren können.

Diese Vernetzung ist erst mal ein formaler Schritt. Aber er beinhaltet mehr als nur zeitliche Abstimmung. Es geht um das Zusammenführen von Potentialen, von Ideen, Erfahrungen und Ressourcen. Gemeinsam sind die Kulturmacher mehr als die Summe aller Einzelnen.

* Über die gemeinsame Plattform sind zum Beispiel relativ lange vorher zu planende (Schulerfordernis) Besuche von Klassen bei Aufführungen anderer Schulen möglich.

* Es können für alle in diesem Kreis Organisierten bei Interesse Workshops (z.B. im Theater- oder Musikbereich) angeboten werden. Für die Schüler und auch für die Lehrer. Dieser Support kann zum Beispiel von Profimusikern der "füenf", die über die Open Stage, das Offene Singen und eigenen Aufführungen mit dem Schwanen verbunden sind, laufen. Oder bei Schauspielsachen über die Profis der freien bühne stuttgart, die über die Café Babel Produktion im Haus sind. Oder auch einfach über von außen kommende geeignete Leute.

* Es kann gemischte (aus mehreren Schulen zusammengesetzte) Ensembles geben. Comeniusschule und Staufer-Gymnasium haben es dieses Jahr vorgemacht. Oder bei Besetzungsproblemen einander ausgeholfen werden. Und Schüler, die über ihre AG hinaus aktiv sein wollen, können im ganz bunten, inklusiven und internationalen Ensemble der Café Babel Produktion mitspielen.

* Schüler können, ob als Musiker (solo oder mit Band), als Teilnehmer eines Literaturkurses oder einer Theater-AG die monatliche Open Stage Schwanen zum Ausprobieren "vor Publikum" nutzen.

* Es kann ein Ideen- und Interessentransfer zwischen der Runde der Kulturaktiven und den Organisatoren der jährlichen Bunt statt Braun - Jugendkulturwoche (in welcher Theater und Konzerte für Jugendliche eine große Rolle spielen) stattfinden.

* Es ist über den Rahmen dieser Vernetzung möglich, die Planung eines Schultheaterfestivals anzugehen. Das, was das Staatliche Schulamt Backnang, das in der Kulturaktiven-Runde vertreten ist, für Schülerbands von den Hauptschulen bis zu den Realschulen im Rems-Murr-Kreis erfolgreich organisiert (zusammen mit dem Schwanen), das jährliche Schulbandfestival, könnte auch im Theaterbereich möglich sein! Zwei- oder dreitägig, mit täglich mehreren Beiträgen.

Die wichtigsten Potentiale dieser selbstkreativen Szene sind einerseits die Lehrer und Theaterpädagogen, Schauspieler, Regisseure, Tänzer, Musiker, Bühnentechniker und der gut ausgestattete Aufführungsort, und andererseits, ganz lapidar: die Schüler. Eine unter professionellen Bedingungen stattfindende Arbeit mit Schulbands und Schultheatergruppen von verschiedenen Schularten, das heißt mit Schülern, die - anders als etwa in Waldorfschulen - einem sozialen Querschnitt der Gesellschaft entsprechen, hat eine stark integrative, interkulturelle und inklusive Seite. Und umgekehrt der soziale Ansatz solcher Projekte und Prozesse eine ebenso stark bildende, kulturelle. Beides bedingt einander. Breit angelegte Kulturarbeit ist als solche soziale Arbeit, und gründlich angelegte soziale Arbeit schafft Kultur. Aus beidem zusammen wird ein Schuh, der trägt und beflügeln kann.

Was den Schwanen und die im Haus produktiven Menschen und Institutionen verbindet, kann als Kulturpartnerschaft bezeichnet werden. Diese ist ein Rahmen, der genutzt werden k a n n, nicht muss. Der uns mehr pädagogisch-kulturellen Handlungsspielraum zu geben vermag, auch indem er uns einzelnen "Machern" mehr Blick aufs Ganze, mehr Reflexion, mehr Selbstbewusstsein ermöglicht.

Cornelius Wandersleb

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