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Europa und der aktuelle Krieg im türkischen Kurdengebiet

Berichte, Bilder, Gespräche

Auf dem Podium:
Aygül Aras, engagierte Waiblinger Kurdin
Serra Bucak, Stadträtin in Diyarbakir
Bahar Yildirim, Stellvertreterin der Bürgermeisterin von Sur
Thomas Milz, Journalist

Mitte Dezember vergangenen Jahres waren Aygül Aras vom Waiblinger Verein "Freunde helfen Freunden" und der Schorndorfer Journalist Thomas Milz anlässlich einer Hilfsaktion unterwegs in der kurdischen Türkei. Sie besuchten Diyarbakir, Cizre, Silvan und Dersim und wurden dabei Zeugen einer Eskalation des gewaltsamen Auseinandersetzung des türkischen Militärs mit der YDG-H, der vor allem städtischen Jugendorganisation der PKK.

Über ganze Städte, wie etwa Cizre, oder über Stadtteile, wie Sur in Diyarbakir, wurden inzwischen mehrwöchige Ausgangssperren verhängt. Nicht nur unter den direkt an den Kämpfen Beteiligten, auch in der Zivilbevölkerung steigen seitdem die Opferzahlen. Zehntausende Kurden befinden sich inzwischen auf der Flucht aus den belagerten und unter Dauerbeschuss liegenden Städten oder Vierteln.

Die Ursachen für den im vergangenen Sommer von Erdogan abgebrochenen, erst vor drei Jahren hoffnungsvoll begonnenen Friedensprozess sind vielfältig. Sie liegen sowohl in den Kriegen in den der Türkei benachbarten, zerfallenen Staaten Irak und Syrien begründet. Dort haben die Kurden inzwischen autonome, selbstverwaltete und relativ stabile Regionen gegründet. Ebenfalls eine Rolle spielte der Erfolg der pro-kurdischen aber gesamttürkisch agierenden links-demokratischen HDP, deren Einzug ins Parlament bei der Wahl im Juni 2015 Präsident Erdogans religiös-autoritärer AKP die Mehrheit kostete.

Seitdem hat der Konflikt eine zunehmende Härte bekommen und ein Ende scheint eher nicht in Sicht. Dabei drängt sich dem Beobachter die Vermutung auf, dass Erdogan den Kampf gegen die "Terroristen" der PKK proklamiert, aber vor allem die basisdemokratische Arbeit der HDP in den kurdischen Kommunen meint. Deren ökologisch, frauenrechtlich, multiethnisch und interreligiös orientierte Arbeit ist seit Beginn der Kriegshandlungen gelähmt.

Europa, das Erdogan in der Frage der Flüchtlingsabwehr hofiert, scheint nicht wahrnehmen zu wollen, wie in diesem Konflikt der Türkei mit ihren Kurden auch seine eigenen "Werte" zur Disposition stehen.

In der Veranstaltung am 29.1. werden Aygül Aras und Thomas Milz einen kurzen Bericht über ihre Reise, unter anderem zur Situation der Flüchtlinge, geben. Danach wird Thomas Milz die beiden, eigens aus der kurdischen Türkei angereisten Kommunalpolitikerinnen Serra Bucak (Stadträtin/Provinzrätin der Stadt Diyarbakir) und Bahar Yildirim (Stellvertreterin der Bürgermeisterin und Leiterin des Auslandbüros von Sur) zur aktuellen Situation des Konflikts und ihrer Arbeit befragen. Der Frage nachzugehen, wie eine verantwortliche, deeskalierende deutsche, eine europäische Politik zu diesem Thema auszusehen hätte, wäre ein weiterer Aspekt des gemeinsamen, offenen Gesprächs.

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20:00 Uhr


Europa und der aktuelle Krieg im türkischen Kurdengebiet
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Eintritt: frei
Spenden: erbeten


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