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Dr. Karl Reininghaus

Vortrag

 

Auf der Suche nach dem

verlorenen Wort - Literaturunterricht: "Sprachfolter" oder Beitrag

zur Identitätsbildung junger Menschen?

 

Ausgehend von Jean-Paul Sartres berühmter Bestimmung, Literatur sei ein fortdauernder revolutionärer Prozess, kann besprochen werden, ob der Literaturunterricht unter den Bedingungen des baden-württembergischen Gymnasiums dazu beiträgt, produktiv (oder auch nur rezeptiv) an einem solchen Prozess teilzunehmen. Dies erscheint insofern ganz spannend, als das sprachliche Kunstwerk im 20. Jahrhundert nicht nur visualisiert - in Filmen - reproduzierbar geworden ist, wovon Sartre noch gewusst hat, sondern durch Digitalisierung von außen revolutioniert worden ist. Das bestimmt heute alle Formen der literarischen Produktion zwischen Epik und der eher versehentlich entstandenen neuen Gattung der Spam-Mails, die sich vereinzelt schon wieder zu einer neuen Pop-Art entwickelt. Vor allem aber hat sich die Wahrnehmung des geschriebenen Worts grundsätzlich geändert, wenn "das Wort" heute überhaupt noch eine eindeutig bestimmbare Grundlage des Schriftlichen darstellt und sich nicht daneben neue Zeichen und Zeichensysteme in der jugendkulturellen Kommunikation etabliert haben, die dadurch eine emanzipatorische Dimension gewonnen hat.

Offensichtlich ist, dass die schulischen Bildungseinrichtungen je neue Medien dann nutzen, wenn sie zur Verfügung stehen. Das ist seit der Erfindung des Buchdrucks so und verändert heute wie damals nicht nur die sprachlichen Interaktionsformen, sondern auch die Inhalte dessen, was kommuniziert wird. Diesem Umstand stehen die Schulen seltsam gleichgültig gegenüber, nicht nur hinsichtlich der kreativen Möglichkeiten, sondern auch, was die rezeptiven und kommunikativen Auswirkungen angeht.

Von daher kann ganz vorsichtig der Frage nachgegangen werden, warum die meisten der Stoffe im Literaturunterricht nicht mehr für offene Prozesse eines gemeinsamen Lernens geeignet sind, ohne dass dafür in die alten, bösen Lieder von der schlechten Schule oder den (seit der griechischen Antike so gesehenen) faulen Schülern eingestimmt werden muss, die eher den großen Sarg der literarischen Bildung darstellen, als die Tragweite einer zu spät begriffenen technischen Revolution, nach der aber vollends keiner "mehr ein solcher werden möchte wie einmal ein anderer gewesen ist." (Peter Handke)

Karl Reininghaus Jahrgang 1946, Studium von Philosophie, Linguistik und Allgemeiner Literaturwissenschaft in Mainz und Stuttgart. Von 1973 bis 2011 als Lehrer im baden-württembergischen Schuldienst angestellt. 2009 Promotion über die Rezeptionsgeschichte Hölderlins und dessen psychischen Status nach 1806. Schreibt, etwas unentschieden zwischen der württembergischen und osthessischen Provinz pendelnd, über Literaten und literarische Themen für die Jüdische Zeitung in Berlin.

 

Hinweis:
Am Dienstag, den 21.10. stellen Teilnehmer des

Literaturkurses des Staufer-Gymnasiums Waiblingen im Schwanen sich und ihre

Werke vor.

 

 

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Donnerstag, 09. Oktober 2014 19:30 Uhr


Dr. Karl Reininghaus
Vortrag


Veranstalter: Verlag Iris Förster

und Kulturhaus Schwanen


Eintritt:

VVK 5.40.- (inkl. Gebühr) / ermäßigt 3.20.- (inkl. Geb.) // AK 6.- / erm. 4.-

Karten: online unter www.kulturhaus-schwanen.de oder an den gängigen VVK-Stellen

Reservierung Abendkasse:
07151-9 20 50 625